Der Einstiegssatz
Zwei Zeilen ganz oben: was, für wen, wo. Der einzige Text, an dem sich echte Mühe lohnt, weil ihn wirklich jeder liest.
Der schwerste Teil einer Website ist nicht die Technik, sondern der erste Satz. Diese Anleitung nimmt dir die Angst davor — mit Beispielen, die du direkt umschreiben kannst, und einem Vorgehen, das in neunzig Minuten zu allen Texten führt.
Ganz oben auf deiner Seite stehen im besten Fall drei Informationen: was du machst, für wen und wo. Nicht als Slogan, sondern als Aussage. „Elektroinstallation und Wallboxen für Privathaushalte in Neuss und Umgebung“ ist besser als jede Wortspielerei — weil ein Besucher danach weiß, ob er richtig ist.
Der Grund ist unromantisch: Die Entscheidung fällt in wenigen Sekunden, und sie fällt gegen dich, wenn sie unklar bleibt. Ein Slogan wie „Mit Energie in die Zukunft“ beantwortet keine der drei Fragen. Er klingt nur so, als hätte jemand daran gearbeitet.
Wenn dir dein Slogan wichtig ist, behalte ihn. Aber schreib den erklärenden Satz darunter. Beides zusammen funktioniert gut; der Slogan allein funktioniert nur bei Marken, die man ohnehin kennt.
Dieselben drei Angaben gehören übrigens auch in den Seitentitel — also in die Zeile, die im Suchergebnis erscheint. Wer sie einmal sauber formuliert hat, hat gleichzeitig die halbe Suchmaschinenoptimierung erledigt.
Rechts steht, was auf tausenden Seiten steht. Links, was daraus werden kann, wenn man Zahlen und Konkretes einsetzt.
Sechs Textsorten decken eine vollständige Unternehmensseite ab. Zusammen sind das etwa 1.200 Wörter — weniger, als es sich anfühlt.
Zwei Zeilen ganz oben: was, für wen, wo. Der einzige Text, an dem sich echte Mühe lohnt, weil ihn wirklich jeder liest.
Drei bis sechs Blöcke à zwei Sätze. Erster Satz: was du machst. Zweiter Satz: was das für den Kunden bedeutet.
Fünf bis acht Sätze mit Namen, Werdegang und Haltung. Bei inhabergeführten Betrieben der zweitmeistgelesene Abschnitt.
Was passiert nach dem Anruf: Termin, Besichtigung, Angebot, Ausführung. Nimmt die häufigste unausgesprochene Sorge.
Fünf Fragen, die du jede Woche am Telefon beantwortest. Als Text auf der Seite sparen sie dir Zeit und beantworten Suchanfragen.
Anfahrt, Parken, Öffnungszeiten, Einsatzgebiet. Klingt nebensächlich und ist der Teil, der am häufigsten gesucht wird.
Fassung 1 — so steht es auf den meisten Seiten: „Als traditionsreicher Familienbetrieb stehen wir seit vielen Jahren für Qualität und Zuverlässigkeit. Unsere erfahrenen Mitarbeiter setzen Ihre Wünsche kompetent und termingerecht um. Kundenzufriedenheit steht bei uns an erster Stelle.“
Drei Sätze, null Information. Jeder davon passt auf jeden Betrieb jeder Branche in jedem Ort. Der Text kostet den Leser zwanzig Sekunden und gibt ihm nichts zurück.
Fassung 2 — dieselbe Aussage mit Fakten: „Den Betrieb gibt es seit 1978, seit 2014 führt ihn Martina Kraus in zweiter Generation. Wir sind zu sechst und arbeiten im Umkreis von etwa 30 Kilometern um Neuss. Termine halten wir; wenn etwas dazwischenkommt, rufen wir am selben Tag an.“
Dieselbe Botschaft — Tradition, Verlässlichkeit, Team — aber überprüfbar. Der letzte Halbsatz ist der wertvollste: Er benennt das, was Kundschaft im Handwerk tatsächlich fürchtet, und beantwortet es.
Fassung 3 — für ein anderes Ziel geschrieben: Wenn dieselbe Firma vor allem Wallboxen verkaufen will, gehört ganz oben nicht die Betriebsgeschichte, sondern: „Wallbox inklusive Anmeldung beim Netzbetreiber, Montage in der Regel in zwei bis drei Wochen. Festpreis nach Vor-Ort-Termin, der Termin selbst ist kostenlos.“
Der Unterschied zwischen Fassung 2 und 3 ist keine Frage von gut oder schlecht, sondern von Zweck. Deshalb entscheidest du vor dem Schreiben, was dieser Abschnitt erreichen soll — und nicht danach.
Die Methode funktioniert, weil sie das Schwierige zuerst umgeht: das leere Blatt.
Erklär deinem Handy in fünf Minuten, was du machst — so, wie du es einem Bekannten am Tresen erklären würdest. Danach abtippen oder automatisch verschriften lassen. Dieser Rohtext ist besser als alles, was am leeren Bildschirm entsteht.
Sortiere die Sätze in die Bereiche: was mache ich, welche Leistungen, warum ich, wie erreicht man mich. Lücken fallen dabei von selbst auf, weil ganze Bereiche leer bleiben.
Streich jeden Satz, der auch auf der Seite deines Wettbewerbers stehen könnte. Streich jedes Adjektiv, das du nicht belegen kannst. Was übrig bleibt, ist dein Text.
Am nächsten Morgen laut vorlesen. Jede Stelle, an der du beim Lesen stolperst, ist eine Stelle, an der auch der Leser stolpert — dort wird umgeschrieben, sonst nirgends.
Bei kleinen Betrieben ist die Über-uns-Seite regelmäßig die zweitmeistbesuchte des ganzen Auftritts. Der Grund ist einfach: Wer jemanden ins Haus lässt, sein Bad umbauen oder seine Hochzeit fotografieren lässt, will wissen, mit wem er es zu tun hat. Trotzdem steht dort meist der leerste Text der Seite.
Was funktioniert, sind vier Angaben in vier bis acht Sätzen: Wer du bist, mit Namen. Wie du zu dieser Arbeit gekommen bist. Was du besonders gern machst — und was ausdrücklich nicht. Und ein Satz darüber, wie du arbeitest, der auch stimmt, wenn niemand zuschaut.
Der letzte Punkt trägt am meisten. „Ich rufe zurück, auch wenn ich absagen muss“ ist ein besserer Vertrauensbeweis als jede Auszeichnung, weil er überprüfbar ist und weil jeder Leser die Gegenerfahrung kennt.
Und ein Foto gehört dazu. Kein Bewerbungsfoto vor grauer Wand — ein Bild bei der Arbeit, in der Werkstatt, im Laden, am Schreibtisch. Es muss nicht perfekt sein; es muss echt sein.
Zehn Minuten pro Seite. Wer diese Liste ernst nimmt, spart sich die Überarbeitung ein halbes Jahr später.
Der letzte Punkt ersetzt jede Textanalyse-Software. Wer beim Vorlesen Luft holen muss, hat einen zu langen Satz geschrieben — und hört es sofort.
Für einen Abschnitt einer Onepage-Website reichen 100 bis 250 Wörter. Für eine eigenständige Unterseite, die bei Google ranken soll, sind 500 bis 800 Wörter ein guter Rahmen. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob die Frage vollständig beantwortet ist — ein Text, der nach 300 Wörtern fertig ist, soll nach 300 Wörtern aufhören.
Nimm die Anrede, die du auch am Telefon benutzt. Handwerk, Gastronomie und Beratung siezen überwiegend, Coaching und kreative Berufe duzen häufiger. Falsch ist nur der Wechsel innerhalb derselben Seite — und das passiert erstaunlich oft, wenn Texte aus mehreren Quellen zusammengesetzt werden.
Wenn du kannst: ja. Fehlende Preise sind der häufigste Grund, eine Seite wieder zu verlassen. Wenn ein Festpreis unmöglich ist, hilft ein Rahmen: „Badsanierung ab etwa 12.000 €, abhängig von Größe und Ausstattung.“ Das filtert unpassende Anfragen heraus, bevor sie deine Zeit kosten.
Es gibt keine sinnvolle Zielzahl. Wenn du über dein Thema schreibst, kommen die passenden Wörter von allein vor. Wichtiger sind Titel und Überschrift, in denen der Begriff einmal klar stehen sollte. Alles Weitere ist eine Frage der Natürlichkeit — und Häufungen erkennt Google zuverlässig als das, was sie sind.
Nein. Ein Text, der stimmt, darf drei Jahre stehen bleiben. Was aktuell sein muss, sind Preise, Öffnungszeiten, Leistungen und Teamangaben. Änderungen um der Aktualität willen bringen nichts — ein veraltetes Preisbeispiel dagegen kostet Vertrauen.
Sprechen statt schreiben. Ruf jemanden an, der dein Angebot nicht kennt, erklär es ihm zehn Minuten lang und nimm das Gespräch auf. In der Aufnahme stehen alle Sätze, die du brauchst — du musst sie nur noch heraussuchen.
Im Editor stehen deine Sätze direkt in der fertigen Seite — kein Platzhalterlatein, keine Vorstellungskraft nötig. Ändern kannst du sie danach jederzeit selbst.