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Website-Texte schreiben

Der schwerste Teil einer Website ist nicht die Technik, sondern der erste Satz. Diese Anleitung nimmt dir die Angst davor — mit Beispielen, die du direkt umschreiben kannst, und einem Vorgehen, das in neunzig Minuten zu allen Texten führt.

Redaktion SeitenwirkungZuletzt geprüft am 1. August 20269 Minuten Lesezeit

Mit Vorher-Nachher90-Minuten-MethodeOhne Werbesprache
Ganz oben
Was du machst, für wen und wo — in einem Satz, nicht als Slogan
Zeitbedarf
90 Minuten für alle Texte einer Onepage-Website, wenn du diktierst
Umfang
300–600 Wörter pro Abschnitt reichen; mehr liest ohnehin niemand
Prüffrage
Könnte dieser Satz auch beim Wettbewerber stehen? Dann streichen

Die drei Angaben, mit denen jede Seite steht oder fällt

Ganz oben auf deiner Seite stehen im besten Fall drei Informationen: was du machst, für wen und wo. Nicht als Slogan, sondern als Aussage. „Elektroinstallation und Wallboxen für Privathaushalte in Neuss und Umgebung“ ist besser als jede Wortspielerei — weil ein Besucher danach weiß, ob er richtig ist.

Der Grund ist unromantisch: Die Entscheidung fällt in wenigen Sekunden, und sie fällt gegen dich, wenn sie unklar bleibt. Ein Slogan wie „Mit Energie in die Zukunft“ beantwortet keine der drei Fragen. Er klingt nur so, als hätte jemand daran gearbeitet.

Wenn dir dein Slogan wichtig ist, behalte ihn. Aber schreib den erklärenden Satz darunter. Beides zusammen funktioniert gut; der Slogan allein funktioniert nur bei Marken, die man ohnehin kennt.

Dieselben drei Angaben gehören übrigens auch in den Seitentitel — also in die Zeile, die im Suchergebnis erscheint. Wer sie einmal sauber formuliert hat, hat gleichzeitig die halbe Suchmaschinenoptimierung erledigt.

Vorher / Nachher

Sätze, die fast jeder umschreiben sollte

Rechts steht, was auf tausenden Seiten steht. Links, was daraus werden kann, wenn man Zahlen und Konkretes einsetzt.

Besser

  • „Wir bauen Bäder um — vom Aufmaß bis zur letzten Fuge, in vier bis sechs Wochen.“
  • „Mittagstisch von 11:30 bis 14:30, drei Gerichte, jeden Tag neu, 9,90 € bis 13,50 €.“
  • „Ich arbeite mit Führungskräften, die zum ersten Mal ein Team leiten.“
  • „Rückruf am selben Werktag, wenn Sie bis 16 Uhr anrufen.“
  • „Zwölf Jahre Fotostudio in Neuss, über 400 Bewerbungsshootings.“

Austauschbar

  • „Wir bieten Ihnen kompetente Lösungen rund ums Bad.“
  • „Genießen Sie kulinarische Highlights in gemütlicher Atmosphäre.“
  • „Individuelle Begleitung für Ihre persönliche Weiterentwicklung.“
  • „Wir sind jederzeit gerne für Sie da.“
  • „Langjährige Erfahrung und höchste Qualität zeichnen uns aus.“
Umfang

Welche Texte deine Seite überhaupt braucht

Sechs Textsorten decken eine vollständige Unternehmensseite ab. Zusammen sind das etwa 1.200 Wörter — weniger, als es sich anfühlt.

Der Einstiegssatz

Zwei Zeilen ganz oben: was, für wen, wo. Der einzige Text, an dem sich echte Mühe lohnt, weil ihn wirklich jeder liest.

Die Leistungsblöcke

Drei bis sechs Blöcke à zwei Sätze. Erster Satz: was du machst. Zweiter Satz: was das für den Kunden bedeutet.

Der Text über dich

Fünf bis acht Sätze mit Namen, Werdegang und Haltung. Bei inhabergeführten Betrieben der zweitmeistgelesene Abschnitt.

Der Ablauf

Was passiert nach dem Anruf: Termin, Besichtigung, Angebot, Ausführung. Nimmt die häufigste unausgesprochene Sorge.

Die Antworten auf Standardfragen

Fünf Fragen, die du jede Woche am Telefon beantwortest. Als Text auf der Seite sparen sie dir Zeit und beantworten Suchanfragen.

Das Praktische

Anfahrt, Parken, Öffnungszeiten, Einsatzgebiet. Klingt nebensächlich und ist der Teil, der am häufigsten gesucht wird.

Fünf Regeln, die den größten Unterschied machen

  • Schreib, wie du sprichst. Wenn du einem Kunden am Telefon nicht sagen würdest „wir realisieren Ihr Projekt ganzheitlich“, dann schreib es auch nicht. Die Schriftsprache, die man in der Schule gelernt hat, ist auf Websites fast immer die schlechtere Wahl.
  • Nenn Zahlen. Preise, Dauer, Entfernungen, Stückzahlen, Jahreszahlen. Jede Zahl macht einen Satz glaubwürdiger, weil sie überprüfbar ist — und weil sich niemand traut, sie zu erfinden.
  • Ein Gedanke pro Absatz. Drei bis vier Zeilen, dann Absatz. Auf dem Handy sind fünf Zeilen bereits ein halber Bildschirm, und ein Textblock ohne Luft wird übersprungen statt gelesen.
  • Zwischenüberschriften alle paar Absätze. Die meisten lesen nicht, sie überfliegen. Überschriften sind das Geländer, an dem sie sich entlanghangeln — und sie sollten den Inhalt verraten, nicht ihn andeuten.
  • Schreib in der Reihenfolge der Fragen, nicht der Firmengeschichte. Der Besucher will zuerst wissen, ob er richtig ist, dann was es kostet, dann wer du bist. Fast jede Website dreht diese Reihenfolge um.
Werkstatt

Ein Absatz, dreimal geschrieben

Fassung 1 — so steht es auf den meisten Seiten: „Als traditionsreicher Familienbetrieb stehen wir seit vielen Jahren für Qualität und Zuverlässigkeit. Unsere erfahrenen Mitarbeiter setzen Ihre Wünsche kompetent und termingerecht um. Kundenzufriedenheit steht bei uns an erster Stelle.“

Drei Sätze, null Information. Jeder davon passt auf jeden Betrieb jeder Branche in jedem Ort. Der Text kostet den Leser zwanzig Sekunden und gibt ihm nichts zurück.

Fassung 2 — dieselbe Aussage mit Fakten: „Den Betrieb gibt es seit 1978, seit 2014 führt ihn Martina Kraus in zweiter Generation. Wir sind zu sechst und arbeiten im Umkreis von etwa 30 Kilometern um Neuss. Termine halten wir; wenn etwas dazwischenkommt, rufen wir am selben Tag an.“

Dieselbe Botschaft — Tradition, Verlässlichkeit, Team — aber überprüfbar. Der letzte Halbsatz ist der wertvollste: Er benennt das, was Kundschaft im Handwerk tatsächlich fürchtet, und beantwortet es.

Fassung 3 — für ein anderes Ziel geschrieben: Wenn dieselbe Firma vor allem Wallboxen verkaufen will, gehört ganz oben nicht die Betriebsgeschichte, sondern: „Wallbox inklusive Anmeldung beim Netzbetreiber, Montage in der Regel in zwei bis drei Wochen. Festpreis nach Vor-Ort-Termin, der Termin selbst ist kostenlos.“

Der Unterschied zwischen Fassung 2 und 3 ist keine Frage von gut oder schlecht, sondern von Zweck. Deshalb entscheidest du vor dem Schreiben, was dieser Abschnitt erreichen soll — und nicht danach.

Fassung 1
0 überprüfbare Angaben
Fassung 2
5 überprüfbare Angaben
Aufwand
etwa 10 Minuten
Vorgehen

So kommst du in 90 Minuten zu allen Texten

Die Methode funktioniert, weil sie das Schwierige zuerst umgeht: das leere Blatt.

SCHRITT 01

Aufnehmen statt tippen

Erklär deinem Handy in fünf Minuten, was du machst — so, wie du es einem Bekannten am Tresen erklären würdest. Danach abtippen oder automatisch verschriften lassen. Dieser Rohtext ist besser als alles, was am leeren Bildschirm entsteht.

SCHRITT 02

Ordnen

Sortiere die Sätze in die Bereiche: was mache ich, welche Leistungen, warum ich, wie erreicht man mich. Lücken fallen dabei von selbst auf, weil ganze Bereiche leer bleiben.

SCHRITT 03

Kürzen

Streich jeden Satz, der auch auf der Seite deines Wettbewerbers stehen könnte. Streich jedes Adjektiv, das du nicht belegen kannst. Was übrig bleibt, ist dein Text.

SCHRITT 04

Einen Tag liegen lassen

Am nächsten Morgen laut vorlesen. Jede Stelle, an der du beim Lesen stolperst, ist eine Stelle, an der auch der Leser stolpert — dort wird umgeschrieben, sonst nirgends.

Der Text über dich — der am meisten unterschätzte Abschnitt

Bei kleinen Betrieben ist die Über-uns-Seite regelmäßig die zweitmeistbesuchte des ganzen Auftritts. Der Grund ist einfach: Wer jemanden ins Haus lässt, sein Bad umbauen oder seine Hochzeit fotografieren lässt, will wissen, mit wem er es zu tun hat. Trotzdem steht dort meist der leerste Text der Seite.

Was funktioniert, sind vier Angaben in vier bis acht Sätzen: Wer du bist, mit Namen. Wie du zu dieser Arbeit gekommen bist. Was du besonders gern machst — und was ausdrücklich nicht. Und ein Satz darüber, wie du arbeitest, der auch stimmt, wenn niemand zuschaut.

Der letzte Punkt trägt am meisten. „Ich rufe zurück, auch wenn ich absagen muss“ ist ein besserer Vertrauensbeweis als jede Auszeichnung, weil er überprüfbar ist und weil jeder Leser die Gegenerfahrung kennt.

Und ein Foto gehört dazu. Kein Bewerbungsfoto vor grauer Wand — ein Bild bei der Arbeit, in der Werkstatt, im Laden, am Schreibtisch. Es muss nicht perfekt sein; es muss echt sein.

Vor dem Veröffentlichen

Der Textcheck in zehn Punkten

Zehn Minuten pro Seite. Wer diese Liste ernst nimmt, spart sich die Überarbeitung ein halbes Jahr später.

Inhalt

  • Steht in den ersten zwei Zeilen, was du machst, für wen und wo?
  • Kommt in jedem Abschnitt mindestens eine überprüfbare Angabe vor?
  • Ist klar, was der nächste Schritt für den Leser ist?
  • Sind Preise oder wenigstens Preisrahmen genannt?
  • Steht irgendwo, was du nicht machst? Das schafft mehr Vertrauen als jede Aufzählung.

Form

  • Ist kein Absatz länger als fünf Zeilen?
  • Hat jeder Abschnitt eine Überschrift, die den Inhalt verrät?
  • Sind Füllwörter wie „selbstverständlich“ und „natürlich“ gestrichen?
  • Funktioniert der Text auch, wenn man nur die Überschriften liest?
  • Hat jemand anderes ihn einmal laut vorgelesen?

Der letzte Punkt ersetzt jede Textanalyse-Software. Wer beim Vorlesen Luft holen muss, hat einen zu langen Satz geschrieben — und hört es sofort.

Häufige Fragen

Fragen zum Schreiben

Wie viel Text braucht eine Seite wirklich?

Für einen Abschnitt einer Onepage-Website reichen 100 bis 250 Wörter. Für eine eigenständige Unterseite, die bei Google ranken soll, sind 500 bis 800 Wörter ein guter Rahmen. Entscheidend ist nicht die Menge, sondern ob die Frage vollständig beantwortet ist — ein Text, der nach 300 Wörtern fertig ist, soll nach 300 Wörtern aufhören.

Duzen oder siezen?

Nimm die Anrede, die du auch am Telefon benutzt. Handwerk, Gastronomie und Beratung siezen überwiegend, Coaching und kreative Berufe duzen häufiger. Falsch ist nur der Wechsel innerhalb derselben Seite — und das passiert erstaunlich oft, wenn Texte aus mehreren Quellen zusammengesetzt werden.

Soll ich Preise auf die Website schreiben?

Wenn du kannst: ja. Fehlende Preise sind der häufigste Grund, eine Seite wieder zu verlassen. Wenn ein Festpreis unmöglich ist, hilft ein Rahmen: „Badsanierung ab etwa 12.000 €, abhängig von Größe und Ausstattung.“ Das filtert unpassende Anfragen heraus, bevor sie deine Zeit kosten.

Wie oft muss ein Suchbegriff im Text vorkommen?

Es gibt keine sinnvolle Zielzahl. Wenn du über dein Thema schreibst, kommen die passenden Wörter von allein vor. Wichtiger sind Titel und Überschrift, in denen der Begriff einmal klar stehen sollte. Alles Weitere ist eine Frage der Natürlichkeit — und Häufungen erkennt Google zuverlässig als das, was sie sind.

Muss ich meine Texte regelmäßig ändern?

Nein. Ein Text, der stimmt, darf drei Jahre stehen bleiben. Was aktuell sein muss, sind Preise, Öffnungszeiten, Leistungen und Teamangaben. Änderungen um der Aktualität willen bringen nichts — ein veraltetes Preisbeispiel dagegen kostet Vertrauen.

Was tue ich, wenn ich einfach nicht schreiben kann?

Sprechen statt schreiben. Ruf jemanden an, der dein Angebot nicht kennt, erklär es ihm zehn Minuten lang und nimm das Gespräch auf. In der Aufnahme stehen alle Sätze, die du brauchst — du musst sie nur noch heraussuchen.

Texte tippen und sofort sehen, wie sie wirken

Im Editor stehen deine Sätze direkt in der fertigen Seite — kein Platzhalterlatein, keine Vorstellungskraft nötig. Ändern kannst du sie danach jederzeit selbst.